BBS: Rückfall in alte Zeiten

Keine Ahnung wie ich darauf gekommen bin, aber irgendwie kam es mir mal in den Sinn mal nach Mailboxen (engl. BBS) im Internet zu suchen und zu schauen, ob es die alten Netze wie z.B. das FidoNet noch gibt. Da es den ein oder anderen gibt, der Mailboxen nicht mehr kennengelernt hat, hier mal der Versuch einer kurzer Erklärung: Mailboxen waren meist private Rechner, die es erlaubt haben, dass andere Anwender sich mit einem Modem auf dem Computer eingewählt haben. In den Mailboxen konnte man dann chatten, Messageboards lesen, Dateien up- und downloaden, Spiele spielen oder auch, wenn die Mailbox an ein grösseres Netzwerk wie das FidoNet angeschlossen war, Mails an andere Benutzer in anderen Mailboxen bzw. sogar weltweit verschicken. Der Nachrichtenaustausch wurde meist nur wenige Male tagsüber zwischen den Mailboxen durchgeführt, um die Telefonkosten gering zu halten, dennoch konnte man innerhalb eines Tages eine Mail z.B. in die USA verschicken.
Es gab also noch was vor dem Internet… Durch das Internet sind Mailboxen dann allerdings in Vergessenheit geraten, es gibt sie aber immernoch – wenn auch nicht mehr in so grossen Zahlen, wie Anfang der 90er.
Bei meiner Suche war ich etwas ueberrascht, dass man eigentlich kaum eine vernünftige deutsche Seite findet, die sich mit dem Thema Mailboxen auseinandersetzt. Selbst die Beschreibung in Wikipedia ist ziemlich spärlich. Als Neueinsteiger und Interessierter hätte man jedenfalls Probleme sich etwas mit der Materie auseinanderzusetzen, aber das Problem hat man ja bei allen alten Systemen.
Interessant fand ich aber, dass es immernoch Mailboxsysteme gibt, die aktiv weiterentwickelt werden. Zu so einem BBS System gehört z.B. das Synchronet BBS System. Bei diesem System findet eine tägliche Weiterentwickelung statt, wie man in den Entwicklerlog sehen kann. Die Ausrichtung von BBS Systemen hat sich auch hier geändert, denn man bietet heutzutage immer mehr ein Internetinterface an, beim Synchronet BBS System hat man sogar ausschliesslich auf die Anbindung ans Internet wert gelegt und erst durch ein Zusatzprogramm die Möglichkeit geschaffen auch Einwahlknoten für Modems anzubieten. Die Kommunikation mit solchen Mailboxen funktioniert dann über das Telnet Protokoll, wobei die Synchronet BBS zusätzlich noch Gateways zu NNTP, HTTP, IRC; SMTP, POP3, etc. bietet. Über ein Java Applet könnt ihr euch ja mal ein aktuelles Mailboxsystem, nämlich die Mailbox „Vertrauen“ des Entwicklers des Synchronet BBS, anschauen.
Eine weitere spannende Sache zum Thema Mailboxen habe ich hier gefunden. Hier hat Leif Bloomquist seinen alten C64 wieder aus der Versenkung herausgeholt, das alte Mailboxsystem gestartet und über eine RS232-Telnet Software, den C64 an das Internet gehängt. Ist schon spassig mal wieder auf so einer alten Kiste zu arbeiten.

Das FidoNet war zu Mailboxzeiten auch ein grosses Thema. Im Prinzip handelte es sich hierbei um ein weltumspannendes Mailboxnetzwerk durch das man miteinander kommunizieren (Mail, Messageboards) konnte. Auch heute noch gibt es ungefähr 7000 Rechner, die an diesem Netzwerk teilnehmen. Leider ist die Teilnahme an dem Netz früher schon nicht ganz einfach gewesen und man wurde schon bei der Installation ziemlich erschlagen. Mittlerweile wurde das FidoNet aber auch ins Internet gebracht (siehe bspw. die oben genannte Mailbox „Vertrauen“) und auch die Teilnahme über ein eigenes Programm gestaltet sich dank dem Fido Deluxe Paket mittlerweile ganz einfach. Installieren, ein paar Daten angeben, Echos (im Prinzip eine Art Forum) abonnieren und schon kanns losgehen.

Durch die Telefonflatrates, die es ja mittlerweile gibt, wäre so ein Thema eigentlich immernoch interessant, auch wenn natürlich die Bedienoberfläche, die bei Mailboxen meist textbasiert war, heute wohl nicht mehr Stand der Dinge ist. Jedenfalls ist das Thema eine kleine Zeitreise wert und es wäre schade, wenn die Systeme komplett aussterben würden. Selbst alte Mailboxen könnte man heutzutage dank Emulatoren und virtuellen Maschinen wieder einfach in Betrieb nehmen und vielleicht kann man damit ja auch dem allgemeinen Überwachungswahn ein Schnippchen schlagen, indem man ein eigenes kleines, eigenes Netz aufbaut :-).