Einbau des GD-EMU in die Sega Dreamcast

Ich bin ein Retro-Gamin Fan – weiss ja wahrscheinlich jeder, der hier mal sporadisch reinschaut und dementsprechend besitze ich ein paar Konsolen / Homecomputer, die mich über all die Jahre begleitet haben. Zu diesen Konsolen gehört auch die Sega Dreamcast – ein tolles System, das leider etwas unter Wert geschlagen ist und bedauerlicherweise auch die letzte Konsole von Sega darstellt. In all den Jahren habe ich mal dafür programmiert (ich habe hier ein Coders Cable) oder auch einen Modem-Emulator mit dem Raspberry Pi gebaut, um mit der Konsole wieder online zu spielen. Es wird also Zeit, die Konsole wieder ein wenig umzubauen. Dieses Mal ist das GD-ROM Laufwerk dran.

Das Laufwerk hat die üblichen Probleme von CD-Laufwerken: Durch den Alterungsprozess kann die Linse eintrüben oder der Laser kaputt gehen. Glücklicherweise gibt es findige Bastler, die mittlerweile einen Emulator gebastelt haben, den GD-EMU, mit dem man das Laufwerk ersetzen kann. Die Spiele müssen dazu allerdings als Image auf einer SD-Karte vorliegen. Wie man so ein Image erstellen kann, könnt ihr in den gängigen Dreamcast Foren erfahren. Dank meines Coders Cable, konnte ich meine Spiele tatsächlich selbst in ein Image packen :-).

Ok… Los geht’s… Eins gleich vorweg: der geniale Aufbau der Sega Dreamcast macht den Tausch einzelner Komponenten sehr, sehr einfach. Hier kann auch jemand, der zwei linke Hände hat, eigentlich nichts verkehrt machen.
Zuerst wird also die Sega Dreamcast mit vier Schrauben auf der Unterseite geöffnet und der Gehäusedeckel entfernt. Im Inneren werden die 3 Schrauben gelöst, die das GD-ROM halten, das dann ganz einfach entnommen werden kann. Behaltet die Schrauben auf jeden Fall für den GD-EMU über, denn hier werden sie wieder benötigt.

Ich habe zusätzlich mir noch eine Halterung für den GD-EMU selbst gedruckt, die ein paar Steckplätze für SD-Karten beinhaltet. Ihr findet sie auf Thingiverse: Sega Dreamcast GD-EMU SD Card Tray. Solltet ihr keinen 3D Drucker besitzen, könnt ihr auch einen der vielen 3D Druck Dienstleister verwenden – All3dp stellt dafür eine ganz nette Suchmaschine zur Verfügung, oder ihr sucht bei der 3D Druck Community 3DHubs oder schaut einfach mal bei eurem örtlichen Makerspace vorbei.

Die Halterung wird mit den 2 der drei Schrauben wieder samt GD-EMU wieder eingebaut. Beim GD-EMU liegt außerdem noch eine weitere, längere Schraube bei, die ihr vorne verwendet. Das Ganze sollte dann so aussehen:

Als letztes wird noch der „Tray“ in den Deckel eingebaut. Hierfür einfach das gedruckte Teil in den Deckel drücken. Dazu etwas Kraft aufwenden. Da es nichts zu halten hat, wird hier keine Verschraubung benötigt.

Und das war es dann auch schon. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, dann könnt ihr eure Sega Dreamcast wieder zusammenschrauben und nach dem Öffnen des Deckels sollte es dann im Inneren so aussehen:

Sieht doch gut aus. Wie die Einrichtung des GD-EMUs funktioniert (Firmware Updates, etc.), könnt ihr auf der GD-EMU Seite erfahren.
Was ich allerdings anmerken möchte ist, dass das Netzteil durch die nicht mehr benötigte 12V Leitung (das GD-ROM fehlt ja jetzt) mehr Wärme produziert – klingt komisch, ist aber so ;-). Deshalb werde ich im nächsten Schritt ein PicoPSU in meine Dreamcast einbauen. Dazu aber demnächst mehr. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich mal die DreamPSU anschauen. Ist zwar etwas teurer, dafür aber sehr einfach einzubauen (und hoffentlich auch bald verfügbar ;-)).

 

Mit der Sega Dreamcast und dem Raspberry Pi ins Internet

Die Sega Dreamcast kam in Europa Ende 1999 auf den Markt und war die erste Konsole, die dank dem bereits ab Werk eingebauten Modem Onlinefunktionalitäten mitbrachte. Mit der passenden Software konnte man mit ihr im Internet surfen, Mails schreiben und empfangen und natürlich auch online spielen. Zwar wurden nach dem Produktionsende in 2001 die Spielserver auch nach und nach abgeschaltet, dank der immer noch aktiven Dreamcast Szene gibt es aber trotzdem Fanserver, auf denen Spiele wie Phantasy Star Online oder Starlancer auch heute noch gespielt werden können.

Leider ist die Nutzung des Modems heute nicht mehr zeitgemäß und funktioniert bei IP-basierten Telefonanschlüssen auch nicht mehr richtig und ein LAN-Adapter (Broadband Adapter), den es als Zubehör zu kaufen gab, kann nur selten auf bekannten Auktionsplattformen für sehr viel Geld ersteigert werden. Abhilfe schafft hier aber der Raspberry Pi, der zusammen mit einem USB-Modem und der DreamPi Distribution die Gegenstelle für das Modem der Dreamcast übernimmt.

Materialliste

1x Raspberry Pi B (laut Autor sollten alle Modelle laufen)
1x SD-Karte
1x USB Modem (muss unter Linux laufen – ein billiges Modem von eBay reicht vollkommen aus)
1x Aufwärtswandler (in meinem Fall ein MT3608, muss 5V in ~24-26V umwandeln)
1x Widerstand 1k
1x Elektrolytkondensator, 1µF, 63V (minimale Spannung 26V)

Schritt für Schritt Anleitung

Schritt 1 – DreamPi Image laden

Zuerst lädt man das DreamPi Image für den Raspberry Pi von der Webseite des DreamPi Autors. Man findet es unter „What you will need“. Zum Erstellungszeitpunkt des Artikels ist die Version 0.95 aktuell.

DreamPi Image Download

Schritt 2 – Image entpacken

Das Image für den Raspberry Pi ist mit dem Packprogramm 7-Zip komprimiert worden. Man findet 7-Zip unter http://www.7zip.org. Nach der Installation kann man die heruntergeladene Datei öffnen und über einen Klick auf „Entpacken“ die Image Datei in ein Verzeichnis entpacken.

DreamPi Image Entpacken

Schritt 3 – Image auf die SD-Karte kopieren

Mit dem Programm Win32 Disk Imager (http://www.heise.de/download/win32-disk-imager-1192033.html) kann man dann die „.img“ Datei auf die SD-Karte übertragen. Dafür einfach das Laufwerk mit der SD-Karte und die Image Datei auswählen und mit einem Klick auf „Write“ wird das Image auf die SD-Karte geschrieben. ACHTUNG: Dabei gehen alle Daten auf der SD-Karte verloren.

Benutzername und Passwort sind übrigens, wie auch bei Raspbian üblich, „pi“ und „raspberry“.

Win32DiskImager

Schritt 4 – Raspberry Pi vorbereiten

Jetzt kann der Raspberry Pi vorbereitet werden. Dazu das USB Modem, das Netzteil und die SD-Karte in den Raspberry Pi einlegen. Momentan funktioniert DreamPi nur über den integrierten LAN Port, deshalb muss auch ein Netzwerkkabel angeschlossen werden. Die Konfiguration von DreamPi sollte dann aber selbstständig ablaufen.

Schritt 5 – „Line Voltage Inducer“

Der „Line Voltage Inducer“ ist notwendig, um die zur Kommunikation notwendige Spannung auf der Telefonleitung aufzubauen. Dieser Schritt ist dabei der aufwendigste, aber dennoch recht einfach, da nur wenige Bauteile benötigt werden.
Ich habe bei meinem Umbau das beim Modem mitgelieferte Telefonkabel verwendet. In meinem Fall waren nur zwei Leitungen belegt. Sollte jemand ein Telefonkabel mit mehr als zwei Adern verwenden, so ist es wichtig, dass nur die zwei mittleren Adern benötigt werden. Der „Line Voltage Inducer“ wird dabei in eine Leitung eingebaut. Dazu einfach das Kabel auftrennen, eine Ader wieder miteinander verbinden und zwischen die andere Leitung die im Bild gezeigte Schaltung dazwischenhängen. Die im Bild gezeigte Spannungsquelle V1 mit 26V ist in diesem Fall der Aufwärtswandler.

Line Voltage Inducer-ohne Logo

Schritt 6 – Aufwärtswandler an den Raspberry Pi anschließen

Damit der Aufwärtswandler nicht von einer separaten Spannungsquelle versorgt werden muss, wird er direkt mit den 5V des Erweiterungsports des Raspberry Pi verbunden. Ein Blick auf die Pinbelegung verrät, dass wir +5V und GND direkt untereinander finden. Hier wird der Eingang des Aufwärtswandlers angeschlossen.

Expansionport Raspberry Pi

Schritt 7 – Aufwärtswandler auf 26V einstellen

Im letzten Schritt muss der Aufwärtswandler jetzt noch auf eine ungefähre Spannung von 24-26V eingestellt werden. Dazu entweder den Raspberry Pi booten oder den Aufwärtswandler noch einmal an ein Netzgerät mit 5V anschließen und mit einem Multimeter die Ausgangsspannung bestimmen. Die meisten Module besitzen ein Potentiometer, mit dem die Ausgangsspannung eingestellt werden kann.
Ist die Ausgangsspannung korrekt eingestellt worden, kann die eine Seite unserer „selbstgebauten Telefonleitung“ an die Dreamcast und die andere Seite an das Modem angeschlossen werden. Die Hardwareseite ist damit fertig.

MT3608 Aufwärtswandler - bearbeitet

Schritt 8 – Wählverbindung der Dreamcast einrichten

Die Sega Dreamcast muss jetzt noch so konfiguriert werden, dass eine eigene Wählverbindung verwendet wird, die nicht auf ein Freizeichen wartet. Am besten verwendet man DreamKey 3.0, da man hier auch gleich die Verbindung mit dem integrierten Webbrowser testen kann.

In den Einstellungen wird ein neuer Provider angelegt, der unter der Telefonnummer „555“ erreichbar ist. In den Advanced Settings muss zusätzlich noch der Modemstring „ATX0“ eingetragen werden. Der Benutzername kann frei gewählt werden und das Passwort lässt man leer.
Zum Abschluss startet man eine Verbindung, die ohne Probleme aufgebaut werden sollte. Nach Eingabe einer Internetadresse sollte die entsprechende Webseite geladen werden.

Sollte die Verbindung mit einem Timeout abbrechen, kann eine Fehlkonfiguration innerhalb von DreamPi der Grund sein. Man sollte sich dann mit dem Raspberry Pi per SSH verbinden und die Datei „/etc/ppp/options“ überprüfen. Hier sollte der richtige DNS Server eures Netzwerk unter „ms-dns“ stehen.

Schritt 9 – Phantasy Star Online mit Sylverant Server

Die Server des Spiels Phantasy Star Online wurden schon vor längerer Zeit abgeschaltet. Dennoch wird von einem Enthusiasten ein eigener Server gepflegt, der Sylverant heißt und unter http://www.sylverant.net zu erreichen ist. Auf der Seite des Servers findet man ein Programm, das man auf CD brennen kann, um Phantasy Star Online so zu patchen, dass es sich automatisch mit dem Sylverant Server verbindet.

 

Child of Eden = REZ 2 – abstraktes Spiel bekommt Nachfolger

Kann sich noch jemand an REZ erinnern? REZ ist ein relativ abstraktes Spiel, bei dem man sich in jedem Level Stück für Stück auf den Endgegner zubewegt und dabei Gegner bekämpft. Je näher man dabei dem Endgegner kommt, desto detaillierter wird sowohl die Grafik als auch die Musik.  Das Spiel selbst gab es auf der Sega Dreamcast, der Sony Playstation 2 und der Microsoft XboX 360. Die erste Version wurde 2001 für die Sega Dreamcast veröffentlicht.

Da man das alles irgendwie recht schwer beschreiben kann, hier ein Video der Dreamcast Version:

REZ auf der Sega Dreamcast

Durch Zufall habe ich vor kurzem mitbekommen, dass der verantwortliche Game Designer Tetsuya Mizuguchi gerade an einem neuen Spiel arbeitet, das ähnlich wie REZ aufgebaut ist und ein würdiger Nachfolger von REZ zu sein scheint. Auf der E3 gab es jedenfalls einen ersten Trailer zum Spiel zu sehen:

Child of Eden (E3 Trailer)

Ich glaube, ich muss mir doch noch eine XboX 360 oder eine Playstation 3 holen… Zumindest wird es mal wieder Zeit, die Dreamcast mal wieder aus dem Schrank zu holen und eine Runde REZ zu spielen.