Daten übertragen ist "in"

Da hat man in den letzten Wochen / Monaten viel über Datenschutz gehört… Gerade wurde Googles Chrome auseinandergenommen, weil er eine eindeutige ID anlegt und Webseiten, die man aufruft, an Google weiterübermittelt, die Vorratsdatenspeicherung und die Verfassungsklage stehen auch noch aus, bzw. werden gerade durchgeführt, Datenlecks bei großen Konzernen haben dafür gesorgt, dass Kundendaten samt Kontonummer in Umlauf gekommen sind… Eigentlich alles Banalitäten, die endlich die „Ich habe doch nichts zu verbergen“-Bevölkerung Deutschlands erreicht, vielleicht führt das auch mal dazu, dass man bei Bedenken gegenüber Datensammlern wie Wer-kennt-Wen oder StudiVZ nicht mehr belächelt wird.

Naja, worüber ich eigentlich schreiben wollte: Ich habe heute die Meldung vom Apple-Updater bekommen, dass es eine neue Version von iTunes und Quicktime gibt und diese dann auch mal wieder installiert (diesmal war nichtmal ein Neustart notwendig). Nach dem Start von iTunes wurde mir auch gleich eine neue Option, die „Genius“-Wiedergabeliste angeboten. Die Genius-Wiedergabeliste soll so funktionieren, dass Musiktitel in einer Wiedergabeliste stilistisch besser zusammenpassen. Um dieses Feature zu aktivieren, muss man aber zustimmen, dass Daten an Apple gesendet werden, ein Klick auf „Weitere Infos“ verrät dann folgendes:

Zu den an Apple gesendeten Informationen gehören Details zu den Medien in Ihrer iTunes Mediathek wie Titelnamen, Zähler und Bewertungen. Diese Informationen werden unter einer anonymen Genius-ID gespeichert und sind nicht mit Ihrem iTunes Account verknüpft. Wenn Sie den iTunes Store oder die Genius-Seitenleiste nutzen, verwendet Apple zudem Ihre Einkaufsstatistik, um die besten Empfehlungen machen zu können.

Die Funktionalität fand ich eigentlich richtig spannend, allerdings hatte ich bereits unter Linux eine Software (sorry, Name vergessen :-(), die mir Playlisten nach Musikstil erstellt und das ohne irgendwelche Daten an irgendjemanden zu schicken, also nur durch Analyse der Musikdateien. So wird das wohl bei mir deaktiviert bleiben. Irgendwie will mittlerweile jede Firma möglichst viele Daten über ihre Kunden sammeln was mir höchst unsympathisch ist :-(.

Kennzeichenerfassung verfassungswidrig

Heute hat das Bundesverfassungsgericht erklärt, dass die Kennzeichenerfassung der Länder Schleswig-Holstein und Hessen verfassungswidrig sind und gegen das Grundgesetzt auf informationelle Selbstbestimmung verstossen. Angeblich wurden in Hessen 1 Millionen Kennzeichen erfasst und dabei 0.6 Promille (nein, nicht Prozent!!!) an Straftaten entdeckt. Hier stimmt eindeutig das Verhältnis zwischen Straftäter und Normalbürger nicht mehr.
Mit diesem Richterspruch ist jedenfalls ein weiterer, tiefer Eingriff in die Privatsphäre der Bürger hier in Deutschland verhindert worden und ich denke, dass damit auch die Chancen für ein Abwenden der Vorratsdatenspeicherung nicht schlecht stehen. Vielen Dank nach Karlsruhe!
Weitere Quellen: Tagesschau.de

Überwachung: Webseiten schlagen zurück

Während die Regierungen versuchen immer mehr Daten zu sammeln, siehe die Vorratsdatenspeicherung, hat es sich die Aktion Uberwach zur Aufgabe gemacht dieses Prinzip umzukehren. Bindet man ein kleines Skript in seine Homepage ein, werden alle IP Adressen, die auf die eigene Homepage zugreifen auf Server der Bundesregierung überprüft und, wenn diese Überprüfung positiv ausfällt, bei der Aktion Uberwach gelistet. Die Daten sind zudem auch noch 6 Monate lang einsehbar, sodass man 6 Monate lang nachvollziehen kann, welches Ministerium, etc. sich auf den Seiten der Unterstützer dieser Aktion herumtreibt. Wenn genug Seiten daran teilnehmen könnte das auch interessant werden.

Ich hab doch nichts zu verbergen…

„Ich hab doch nichts zu verbergen!“, das sagt der gemeine Deutsche, wenn es um das Thema Vorratsdatenspeicherung und ähnliche Einschnitte in die persönliche Freiheit der Menschen hier in Deutschland geht. Ach nein? Wie die Initiative „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung“ so treffend fragt: „Warum schließen Sie dann die Toilettentür? Und warum zeigen Sie dann nicht jedem ihre Kontoauszüge?“.
Zu diesem Thema wurde insgesamt schon viel geschrieben – aus diesem Grund werde ich hier jetzt nicht weiter darauf eingehen – und mir persönlich steckt immernoch ein wenig der Ärger über den Beschluß zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) in den Knochen, weshalb ich mich jetzt doch dazu entschlossen habe, meiner Überzeugung, dass dies nicht in Ordnung ist, Ausdruck zu verleihen. Doch was für Möglichkeiten hat man dazu eigentlich? Ich möchte euch hier eine kleine Liste zum möglichen Protest gegen das geplante Gesetz vorstellen:

  1. Mitmachen bei der Verfassungsbeschwerde: Sollte das Gesetz zur VDS durch unseren Bundespräsidenten Horst Köhler unterzeichnet werden und damit in Kraft treten, dann wird eine Verfassungsbeschwerde gegen die VDS eingelegt. Wenn ihr dabei mitmachen wollt, dann könnt ihr euch in eine Liste eintragen und eine Vollmachtserklärung abgeben. Letztere wird dafür benötigt, damit euch Rechtsanwalt Meinhard Starostik vor Gericht vertreten kann. Wichtig: Es werden keine Kosten auf euch zukommen!!!
  2. Onlinedemo: Wie ihr bestimmt schon hier auf der Seite und vielleicht auf meiner richtigen Homepage gesehen habt, habe ich jetzt rechts oben in der Ecke so eine Trauerecke, die auch auf die VDS hinweist. Ihr könnt hier Templates finden, um auch so eurer Meinung Ausdruck zu verleihen.
  3. Informiert eure Bekannten / verteilt Flyer: Auch hier gibts bei der Initiative einige Informationsbroschüren, die euch dabei helfen können. Selbst wenn ihr nur ein paar Leute überzeugen konnte ist dies schon ein grosser Schritt, den man gemeinsam vorwärts machen konnte.
  4. Aktion – Ein Grundgesetz für Schäuble: Diese Aktion wurde durch Weblogs ins Leben gerufen, ursprünglich ein Gedanke von Karan, hat Sven Scholz das Ganze noch ein wenig erweitert. Die Idee dahinter ist, dass man bei der Bundesriegierung kostenlos bis zu 3 Grundgesetze bestellen kann. Eins zum Verbuddeln für die Nachwelt, eins ins Bücherregal, neben die Fantasy- und Science-Fiction-Bücher und eins, das als Nachhilfe an Herrn Schäuble geschickt wird. Mehr Infos in Svens Blog.
    Ein Grundgesetz für Schäuble
  5. Mails und Briefe an Abgeordnete: Bringt eure Gedanken rund um die VDS zu Papier und schreibt es den Abgeordneten. Sie müssen darüber informiert werden, dass es der Bevölkerung eben nicht egal ist, wenn tiefgreifende Einschnitte in die perönliche Freiheit der einzelnen vorgenommen werden.
  6. Demos: Die klassische Art des Protestes… Geht zu Demonstration gegen die VDS, denn je mehr Leute sich dort zeigen, umso eher wird man ernst genommen. Macht es nicht wie in dem alten IKEA Werbespot, in dem drei ältere Mitbürger sich über die Politik aufregen und sagen „Da muss man was machen, lasst uns demonstrieren.“ – „Ist aber kalt draussen“ – „Ach, nee, dann bleiben wir lieber hier.“

So, mehr fällt mir auf die Schnelle jetzt auch nicht mehr ein. Wichtig ist aber: Nicht meckern, sondern jetzt auch mal was tun. Es gibt viel zu verlieren, packen wir es an!